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Indigene fordern mehr Mitsprache - und verteidigen unsere Lebensgrunlage.

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  1. November DLF Nova

Indigene Völker weltweit haben lange dafür gekämpft, Gehör in der internationalen Politik zu finden. Auf dem Weltklimagipfel sind sie dieses Mal so stark im Fokus wie noch nie – trotzdem fehlt es ihnen weiter an Mitsprache bei wichtigen Entscheidungen. Obwohl sie gerade beim Klimaschutz entscheidend sind.

Auf der diesjährigen Klimakonferenz der Vereinten Nationen zeigen sich bekannte Persönlichkeiten wie Leonardo DiCaprio und Prince Charles auf Bildern gerne mit verschiedenen Vertreterinnen und Vertretern indigener Völker, die in Glasgow mit dabei sind – etwa Nomaden aus dem Niger, Guaraní aus Brasilien, Sami aus Schweden oder auch Aborigines aus Australien.

Und auch im Zentrum der schottischen Stadt hängen große Porträtfotos von indigenen Persönlichkeiten. Es scheint, als ob die britische Regierung eine regelrechte PR-Aktion für indigene Stämme während der Weltklimakonferenz umgesetzt hat, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Grit Eggerichs.

Indigene Völker: Vernetzen und präsent sein

Um auf den Klimakonferenzen und in den Entscheidungen der Mitgliedsstaaten präsent zu sein, haben sich etliche indigene Stämme aus der ganzen Welt in den vergangenen Jahren zusammen geschlossen und vernetzt.

Denn: Obwohl indigene Völker entscheidende Klimaschützerinnen und Klimaschützer sind, wurden sie von der internationalen Politik lange nicht beachtet. Bis in die 1970er-Jahre hat die Staatengemeinschaft sie als Minderheiten angesehen. Erst 2007 hat die UNO-Generalversammlung eine Deklaration über die besonderen Rechte indigener Völker verabschiedet, die sie mit allen anderen Völker der Welt auf eine Ebene stellt.

Ausbeutung Indigener

Trotzdem ist die Geschichte indigener Stämme von Armut und Ausbeutung geprägt – damals wie heute. Denn: Ihre Lebensräume sind mehr und mehr bedroht. Immer wieder verteidigen Indigene ihr Land vor Menschen und Industrien, die es vereinnahmen wollen, um dort zum Beispiel Soja anzubauen, Vieh zu züchten oder Bäume abzuholzen. Sie wollen die Natur benutzen, um Geld damit zu machen.

Wenn die Indigenen ihr Zuhause, ihr Land verteidigen, bedeutet das für sie auch, ständig einer Gefahr ausgesetzt zu sein. Auch körperliche Angriffe zählen dazu, erzählt Kretã Kaingang. Er lebt mit seinem Stamm im Süden von Brasilien und leitet eine politische Indigenenorganisation.

"Wir werden angegriffen – auch physisch – weil wir unseren Lebensraum verteidigen. Wir müssen uns gegen Bauprojekte in unserem Land wehren, damit nicht alles abgeholzt wird."

Kretã Kaingang vom indigenen Volk der Kaingang in Brasilien

Intakte Ökosysteme

Wie entscheidend indigene Völker für den Klimaschutz sind, hat ein Bericht der Vereinten Nationen im Frühjahr 2021 gezeigt. Basierend auf über 250 Studien fasst der Bericht zusammen, welchen Einfluss die indigenen Stämme Lateinamerikas auf die dortigen Wälder haben. Heraus kam: Dort, wo Indigene leben, sind die Wälder in der Regel intakte Ökosysteme

"Die indigenen Völker sehen die Natur eben als ihr Zuhause an und nicht als etwas, aus dem man möglichst viel Kapital ziehen kann", so Grit. Vielmehr seien sie die Natur, wie die ecuadorianische Aktivistin Nina Gualinga gegenüber dem Guardian sagte. Nina Gualinga gehört der indigenen Gemeinschaft der Sarayaku an und setzt sich für die Rechte indigener Völker ein. Die Sarayaku hätten daher kein Wort für "Natur", weil sich die Menschen als Teil der Natur begreifen würden – und sie dementsprechend wertschätzen.

Ein neues Waldabkommen für mehr Schutz

Auf der Klimakonferenz in Glasgow haben sich jetzt 105 Staaten dazu verpflichtet, die Zerstörung der Wälder in den kommenden neun Jahren zu stoppen. Im Rahmen dieses Waldabkommens sollen 1,7 Milliarden US-Dollar an indigene Völker gehen, um sie beim Schutz ihrer Gebiete in den nächsten vier Jahren zu unterstützen. Das Geld dafür kommt aus zwölf Staaten und auch von privaten Geldgebern, wie zum Beispiel von der Ford Foundation und dem Bezos Earth Trust.

Mitsprache fehlt

Kretã Kaingang sieht das Abkommen kritisch. Ihm und vielen anderen Vertreter*innen indigener Völker fehlt die Mitsprache. "Es ist ein Fond, den nicht wir gestaltet haben sondern Stiftungen und Regierungen – und die gehen immer von ihrer Situation aus. Bisher sind solche finanziellen Mittel nur zu einem ganz geringen Teil auch tatsächlich bei uns gelandet", sagt er.

Hier geht es zum Beitrag bei DLF Nova.

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